Als Bankangestellter in unserer kleinen Dorfbank habe ich meine ersten Berufsjahre mit der Beratung von Menschen verbracht. Ich kannte jeden Kunden, jede Familiengeschichte und die finanzielle Situation dahinter. Ich konnte zuhören, Fragen stellen und hatte das Gefühl, etwas mit meiner Arbeit beizutragen. Oft sprachen wir über alles, außer über Geld. Die kleine Dorfbank gibt es schon lange nicht mehr. In meinem derzeitigen Job verbringe ich mehr Zeit alleine vor dem Computer als mit Menschen. Ich habe gemerkt, mir fehlt etwas.
Mit der Ausbildung zum Systemischen Coach kann ich wieder direkt mit Menschen arbeiten. Und ich habe mich auf die Suche nach Möglichkeiten gemacht, wo ich ähnliche Qualifikationen auch bei mir Zuhause „am Land“ anbieten kann: in der Männerberatung „Mannsbilder Tirol“, im KIT-Team des Roten Kreuz oder in der Hospizbegleitung. Und je mehr ich mich mit den unterschiedlichen Angeboten beschäftigt habe, umso stärker spürte ich das Thema Trauer.
Irgendetwas zieht mich in diese Richtung.
Warum, weiß ich noch nicht. Die Ausbildung für die Hospizarbeit ist interessant, aber nicht das, was ich mir derzeit vorstelle. In der Trauerbegleitung, schreibt Thomas Achenbach in seinem Buch MÄNNER TRAUERN ANDERS, geht es darum: „wahrzunehmen, was im Innenleben gerade passiert; akzeptieren und lernen, was im Innenleben geschieht; und schließlich, etwas im Inneren in Bewegung zu bringen.“ Das hat mich angesprochen. Da dachte ich mir, dabei möchte ich als Trauerbegleiter unterstützen.
Vergiss Mein Nie, Hamburg
Im Film A Boy Called Sailboat heißt es: „Ich habe zwar nicht danach gesucht, aber als ich es gefunden habe, wusste ich, dass es wichtig ist.“ So ging es mir, als ich auf der Webseite von Vergiss Mein Nie gelandet bin.
Bei den Texten, Methoden und Erzählungen habe ich mich sofort wohlgefühlt. Mit der Neugestaltung der Ausbildung 2025 war klar, das möchte ich machen. Und da ich 832 km südlich von Hamburg wohne, ist ein „reiner“ Online-Kurs perfekt für mich.
Im Coaching habe ich gemerkt, dass einfache und kreative Methoden den Menschen helfen können sich schwierigen Themen anzunähern, sich zu öffnen, neue Möglichkeiten zu entdecken und wieder Handlungsfähig zu werden. Ich kann Menschen damit helfen, dass sich etwas Schweres, ein klein wenig leichter anfühlt. Diese Möglichkeiten möchte ich auch in der Trauerarbeit einsetzen.
Bei uns ist Trauer oft verbunden mit Kirche und Friedhof, dunkel, leise und langweilig. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten, Trauer anders zu gestalten: hell, heiter und lebendig - als Trauerrednerin, als Ehrenamtliche in der Pfarre oder ganz persönlich, weil einem das Thema und die Menschen am Herzen liegen.
Dazu möchte ich beitragen. Mit meinen Ideen, meinen Fähigkeiten und mit dem, was ich in der Ausbildung zum Trauerbegleiter lerne. Ich freue mich darauf.